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Freiwilligenarbeit im Fokus
Welchen Stellenwert hat freiwilliges Engagement für die Entwicklung einer lebensfreundlichen,
nachhaltigen Gesellschaft?

14. Konferenz Zivilgesellschaft | Österreichische Freiwilligenmesse | 1.-2.10.2016 | Wiener Rathaus

 
 
 

Geld

A. Basisaussagen

Die Welt, in der wir leben, ist unser gemeinsames Haus. Der Menschheit wuchs mit Geld ein wirkungsmächtiges Werkzeug zu, das den Prometheus in ihr freisetzte. Seit Durchbruch der Geld- und Kreditwirtschaft hat sich die Bevölkerung in ca. 200 Jahren fast verachtfacht, die Produktivität vervielfacht. Geld ermöglicht Großgesellschaften zu bilden, in relativem Frieden zu leben und Wohlstand zu bilden, der noch vor wenigen Jahrhunderten undenkbar erschien. Außerdem eröffnet es den Einzelnen große Spielräume bei der Entfaltung ihrer Lebenspläne. Zivilisation und moderne Gesellschaft ist mit Geld intrinsisch verknüpft.

Der durch Geld ermöglichte und durch Geld getriebene Prozess hat eine Effektivität, die die natürlichen Grundlagen unserer Existenz in relativ kurzer Zeit zu zerstören droht. Außerdem mangelt es diesem Prozess an innerer (sozialer und ökonomischer) Stabilität. Die ungebremste Aufblähung von Vermögenswerten, denen entsprechend große Schuldenbelastungen gegenüberstehen, führt immer wieder zu Finanzkrisen und zur Erschütterung der Gesellschaft. Der nötige Solidarzusammenhang wird durch die permanente Umverteilung zugunsten der bereits übermäßig Wohlhabenden zerstört. Damit eine Geldwirtschaft funktioniert, darf aber die Einkommens- und Vermögensschere nicht zu weit auseinandergehen.

Jedes hinzugekommene Medium – Sprache, Schrift, Buchdruck, das Internet – hat grundlegende Veränderungen mit sich gebracht. So auch Geld. Allerdings ist die Menschheit dem Geld weder geistig noch moralisch einigermaßen gerecht geworden. Auf Geld werden die unsinnigsten Vorstellungen projiziert. Man macht Geld auch für alle möglichen Übel verantwortlich. Die Geldvergessenheit der Theorie paart sich mit der Geldversessenheit der Individuen. Geld ist eines der großen Tabus, auch in den Sozialwissenschaften. Das macht den Umgang mit ihm nur noch schwieriger. Je mehr wir Geld verdrängen, desto mehr aber beherrscht es uns.

Fehlhaltungen und Fehleinschätzungen haben sich bisher fatal ausgewirkt. Man denke an den Marxismus: Marx glaubte an eine bessere Welt ohne Geld. Der Versuch der Realisierung seiner Idee war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Man denke auch an den ökonomischen Mainstream, der Geld für neutral erklärt und die Finanzkrise nicht nur analytisch verpasste, sondern durch falsche Theoreme (z.B. efficiency hypothesis of financial markets) mitverschuldete. Es ist höchste Zeit, (endlich) Kompetenz über eines unserer zentralen Medien zu erlangen.

Die „Initiative NeueGeldordnung“ ist eine Plattform zivilgesellschaftlicher Gruppen, die sich mit

befasst und entsprechende Vorschläge aufgreifen, erarbeiten und sie in den öffentlichen Diskurs einbringen. Ziel ist, das hypertrophe Finanzsystem auf seine angemessene Funktion zurückstutzen. Wir verstehen uns als Initiative, die eine Veränderung des europäischen Geld- und Finanzsystems im Rahmen einer internationalen Finanzarchitektur anstrebt.

Wir suchen mit anderen Initiativen (auch aus anderen Ländern) Gemeinsamkeiten und bemühen uns um einen breiten Konsens quer durch die Parteien- und andere politische Landschaften.

Wir treten für eine freiheitliche, bürgerliche und demokratische Ordnung ein, und möchten durch eine Reform des Geldsystems Fehlentwicklungen korrigieren, um die Chancen, welche die moderne Zivilisation bietet, nicht zu verspielen.

B. Forderungen

1. Gründung einer unabhängigen Akademie

Die Bedeutung des Geldwesens für die Entfaltung und Stabilität der modernen Gesellschaft ist weitgehend unterschätzt. Die Forschung über Geld kam bisher kaum über Geldpolitik und Portfoliomanagement hinaus. Das zeigt sich auch im Umgang mit der Finanzkrise. Die Möglichkeiten, hypertrophische Entwicklungen des Finanzsystems zu verhindern und damit ein besser funktionierendes Geldwesen zu etablieren, sollen systematisch erkundet, interdisziplinär erforscht und auf ihre Praktikabilität hin überprüft werden. Dazu ist ein integraler, die Einzeldisziplinen (Ökonomik, Soziologie, Kulturtheorie, etc.) übergreifender Ansatz notwendig.

Wir streben an und fordern die Finanzierung und Errichtung einer wissenschaftlichen Akademie zur Erforschung einer funktionierenden Geldordnung (als Teil moderner Gesellschaftspolitik).

Die Akademie hat die Aufgabe, eine generelle Orientierung zu geben. Die derzeitige Zersplitterung des Wissens (wie es sich auch in verschiedensten wissenschaftlichen Ansätzen und der Geldreformbewegung selbst zeigt) ist eines der größten Gefahren für die moderne Zivilisation.

C. Reformstrategien

Gegenstand des öffentlichen Diskurses über Ordnungspolitik ist eine Reihe von Maßnahmen, darunter: Einführung des Vollgeldsystems, Beschränkung der Größe der Banken (too big to fail oder auch too big to function), Trennbankensystem, Auflösung von Schattenbanken, Unterbindung des Hochgeschwindigkeitshandels, ein TÜV für Finanzprodukte, Einrichtung sog. Sicherheitskonten außerhalb der Geschäftsbankenbilanzen, Komplementär- und Sektoral-„Währungen“; in weiterer Folge und Ferne: eine neue internationale Finanzordnung mit einer nicht mehr nur von den USA emittierten und von ihr manipulierbaren Währung, die Anbindung einer solchen Währungsemission an CO²-Certifikate, und dergleichen.

Als dringlichste und zentrale Maßnahme erscheint uns derzeit aber die

(1) Einführung eines Vollgeldsystems

Mit der Entmaterialisierung von Geld – wir zahlen heute hauptsächlich mit Buchgeld – kann Geld aus dem Nichts geschöpft werden. Substanzgeld (Gold, Silber) musste früher erarbeitet und daher an das Publikum verkauft werden. Fiat-Money kann frei geschöpft und sollte daher von der Zentralbank (der Geldschöpfungsinstanz) an den Staat verschenkt und über Staatsausgaben in Umlauf gebracht werden. Derzeit wird die Masse an Geld (M1) allerdings von Geschäftsbanken geschöpft und per Kredit in die Wirtschaft gepumpt. Der Grund hierfür ist, dass der Souverän (Staat) es bisher verabsäumte, auch das Giralgeld unter seine Fittiche zu nehmen, das sich so stark ausbreitete, weil man mit Giralgeld am leichtesten bezahlen kann (geringste Transaktionskosten).

Mit der Giralgeldproduktion durch Geschäftsbanken ist die Geldmenge von privaten Geschäftsabsichten abhängig. Profitorientierte Geschäftsbanken erzeugen 80-90% der Geldmenge (Bargeld + Giralgeld = M1).2 Die Zentralbanken sind längst nicht mehr in der Lage, über Hebelwirkungen gegenzusteuern. Die Geldschöpfung durch Privatbanken erzeugt Booms, Busts und schwere Finanzkrisen. Öffentliche Finanzen werden zur Sanierung in Anspruch genommen. Noch bedenklicher ist aber, dass die Buchgeldschöpfung durch Geschäftsbanken dem Gleichheitsgrundsatz widerspricht. Der Grundsatz lautet: Private Subjekte müssen Geld durch verkäufliche Leistungen an andere verdienen. Nur der demokratisch legitimierte Souverän darf Geld produzieren. Geschäftsbanken üben derzeit eine Macht aus, die ihnen nicht zusteht und die die Bürgergesellschaft bis in ihre Grundlagen gefährdet.

Zum Beispiel ist es widersinnig, Staaten zu verpflichten, sich über das Bankensystem zu finanzieren. Der Gedanke dahinter ist, dass die Finanzmärkte den Staat disziplinieren sollen. Tatsächlich aber trägt die Geldschöpfung durch Geschäftsbanken wesentlich zur Finanzkrise bei. Das fraktionale Geldsystem bedroht die Stabilität beider: des Staats und der in großem Konkurrenzdruck untereinander stehenden Banken.

Deshalb fordern wir:

In weiterer Perspektive:

Zusammenfassung

„Geld regiert die Welt“. Wer aber regiert das Geld? Geldwerte neigen von sich aus zur Verselbständigung und zur Herausbildung hypertropher Formen. Der Wildwuchs ist abzustellen. Das Geldsystem ist für die moderne Zivilisation essentiell, bedarf aber einer ganz besonderen Governance. Das Geldwesen, das seine Rolle nur ausüben kann, wenn es eine gewisse Eigenständigkeit hat, muss in Ordnung gebracht werden.

Die Initiative für eine neue Geldordnung arbeitet nicht gegen, sondern für eine funktionierende Bürgergesellschaft.

Literaturhinweise

1. Zur Rolle des Geldes in Wirtschaft und Gesellschaft

Binswanger, Hans C. Die Wachstumsspirale – Geld, Energie und Imagination in der Dynamik des Marktprozesses. Marburg: Metropolis, 2006.

Dietz, Raimund. Geld und Schuld - eine ökonomische Theorie der Gesellschaft, 5. Auflage, Marburg: Metropolis-Verlag, 460 Seiten. 2016.

2. Wie die Banken derzeit Geld schöpfen und wie es sein sollte

Huber, Joseph. Monetäre Modernisierung. Marburg: Metropolis, 2013.

Seiffert, Horst. Geldschöpfung - Die verborgene Macht der Banken. Nauen: Horst Seiffert, 2014.

Jackson, Andrew; Dyson, Ben, Modernizing Money – Why our Monetary System is Broken and how it can be Fixed, Positive Money, 2014.

3. Zur Finanzkrise und Bankenkrise

Peukert, Helge. Die große Finanzmarkt- und Staatsschuldenkrise. Marburg: Metropolis, 2015, 5.te Auflage.

4. Zu Zivilisation, Umwelt und Bewusstsein

Rifkin, Jeremy. Die empathische Zivilisation – Wege zu einem globalen Bewusstsein. Frankfurt a.M: Campus, 2010.